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Von der Idee bis heute.

Es begann in Rendsburg und Husum, im Norden Deutschlands, vielen bekannt vom Urlaub, Nordseestrand und Krabben. Wenige wissen, dass es dort Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre mit Unterstützung der in Deutschland tätigen Vereine und Selbsthilfegruppen, die sich für die Integration und Förderung von Hörbehinderten einsetzen, ein REHA-Zentrum entstand, das speziell auf die Bedürfnisse hörgeschädigter Menschen ausgerichtet war.

In diesem REHA-Zentrum trafen sich Frauen und Männer aus den Räumen Waiblingen, Stuttgart, aber auch aus Heilbronn, Sigmaringen und Frankfurt. Allen war klar, dass diese REHA Maßnahme auf ihre Bedürfnisse und Wünsche ausgerichtet war und dass das Erlernte, wenn nicht durch regelmäßige Anwendung und Übung trainiert wird, wieder verloren geht.

In Rendsburg wurde dann die Idee geboren, sich in Waiblingen zu einer Selbsthilfegruppe zusammenzuschließen. Ende 1983 wurde in Waiblingen der erste Gottesdienst für Hörgeschädigte angeboten, danach ging man dann auf die Suche nach entsprechenden Räumlichkeiten, die man Mitte des Jahres 1984 im Haus der Diakonie in Waiblingen gefunden hatte.

In einem Protokoll vom 04.08.1984 ist zu lesen: Im Haus der Diakonie in Waiblingen, steht uns ein Raum zur Verfügung, der bereits „eine eingebaute Induktionsschleife“ besitzt. Eine bestens ausgestattete Küche ist da. Der Kaffee der Gastgeberin und ihr selbstgebackener Kuchen sind vorzüglich. Dies erleichtert uns bei Gesprächen das Kennenlernen. Heute, Samstagnachmittag, kamen wir zusammen. Wir erzählen vom Erlernten und vom Danach. Einig war sich die Gruppe, diese Treffen monatlich fortzuführen. Im September des Jahres 1984 beschloss man dann, die Versammlung regelmäßig am letzten Samstag des Monats um 15:00 Uhr in Waiblingen, im Haus der Diakonie, in der Theodor-Kaiser-Str. 33c, zu veranstalten.

In diesem September gab es eine lange Diskussion über das Für und Wider einer Vereinsgründung, gespickt mit hörbehinderungsspezifischen Verständigungsschwierigkeiten und Missverständnissen, wie aus dem Protokoll zu entnehmen war.

Als Vorschläge für den Gruppennamen standen damals: Rendsburger Nachsorge e.V., Ehemalige Rendsburger und Freunde, Selbsthilfegruppe für Hörbehinderte (Rendsburger Modell), Gemeinschaft zur Förderung neuer Kommunikationstechniken für Hörbehinderte oder Verein zur Förderung der Kommunikation für Behinderte, zur Diskussion. Als mögliche Gründungsveranstaltung war der 27. Oktober 1984 vorgesehen.

Am 08.10.1984 wurde die Einladung zur Gründungsversammlung, die im Hause der Diakonie stattfinden sollte, versandt. Die Vereinsgründung kam jedoch nicht zustande. Gründe dafür gab es vielfältige. Man nahm Kontakt mit dem Stuttgarter Verein auf und überlegte, sich als Selbsthilfegruppe dem Stuttgarter Verein anzuschließen. Parallel dazu bildete sich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Inge Freifrau von dem Bussche, Roland Ende und Joachim Schäufler. Diese Arbeitsgruppe machte sich Gedanken über den Ablauf der Monatstreffen.
Als wichtigster Punkt wurde festgehalten: „Alle sprechen deutlich und betreiben totale Kommunikation“ (Gebärden, Mund-Hand-System, Fingeralphabet). Am 19. Januar 1985 wurde die Diskussion über die Namensgebung der jungen Selbsthilfegruppe fortgeführt. Die oben bereits erwähnte Arbeitsgruppe hatte einen Vorschlag erarbeitet, der die Ziele sowie den Personenkreis, den man ansprechen möchte, im Namen beinhaltet. Die Kurzform dieses Namens:

„FISCHE“: Förderkreis, Integration SCHwerhöriger und Ertaubter.

Heftig wurde über den Begriff „schwerhörig“ diskutiert. Für einen Teil der Mitglieder ist dieser Begriff diskriminierend: schwer-„hörig“; hörbehindert sei besser, war die Meinung! Allgemein wurde für gut befunden, dass der Name humorvoll und einprägsam ist. Auf Drängen von Herrn Ende wurde abgestimmt. Von den 14 Anwesenden stimmten 10 für FISCHE, 2 dagegen, 2 enthielten sich der Stimme. Damit war der erste Schritt getan.

In der gleichen Sitzung wurde auch ein Vorstand gebildet. Zur 1. Vorsitzenden wurde Inge Freifrau von dem Bussche gewählt, zum 2. Vorsitzenden Herr Albert Wagner, zur Schriftführerin Frau Irmgard Schauffler, zur stellvertretenden Schriftführerin Frau Kuschke, zum Kassenwart Herr Glembek, zum Stellvertreter des Kassenwarts Herr Schäufler und zum Beisitzer Frau Rein und Herr Ende, zum Kassenprüfer wurde Herr Wilhelm bestellt.

Am 23. Februar 1985 um 15:00 Uhr traf sich der Arbeitskreis FISCHE. Diesmal war großer Presserummel angesagt. Ein Aufnahmeteam von „Sehen statt hören“ zeichnete dieses Treffen in Waiblingen auf und berichtete über das Nachfolgetreffen ehemaliger Rendsburger, die sich zum Arbeitskreis FISCHE zusammengeschlossen haben. Im Drehbuch standen folgende Aufzeichnungen auf dem Programm:

Fingeralphabet:
Der Name FISCHE wurde durch Fingeralphabet dargestellt.

Gebärden:
Zweckmäßigkeit und doppeltes Mundbild für unterschiedliche Begriffe beim Absehen wurden gezeigt.

Diskussionen über Gebärden:
Die besonderen Bedürfnisse schwerhöriger Menschen im Gespräch, bezüglich Lärmquellen, Licht und Akustik wurden diskutiert.

Dieser Beitrag wurde am 05. Mai 1985 ausgestrahlt.

Die junge Gruppe konnte am 26. Februar einen lautsprachbegleitenden Gebärdenkurs im Gehörlosenzentrum in Stuttgart und am 08. März im Haus der Diakonie in Waiblingen anbieten.

Im Grundsatz waren damit die Eckpfeiler für eine positive Entwicklung der jungen FISCHE gegeben. Doch leider entzündete sich an dem Status der jungen Gruppe bzw. Selbsthilfegruppe, als selbständige Gruppe oder als Untergruppe beim Ortsverein Stuttgart oder eingetragener selbständiger Ortsverein eine endlose Diskussion. Daneben wurden wieder Grundsatzfragen wie: Gebärden – ja oder nein, Inhalte und Ziele der Gruppe, aufgegriffen. All dies führte bereits am 30.03.1985 fast zum „Aus“ der jungen Gruppe.

Diese Diskussion führte dazu, dass in der Folgezeit in Stuttgart die Ertaubtengruppe, aus der die Deutsche Ertaubtengemeinschaft hervorging, als Untergruppe zum Ortsverein Stuttgart, gebildet wurde. Ein kleiner Teil blieb in Waiblingen und versuchte, die gesteckten Ziele zu verwirklichen.

Zwei Jahre intensiver Arbeit führten dann dazu, dass sich am 05.02.1987 in Korb/Kleinheppach die Damen und Herren Manfred Deiss, Friederike Gaibler, Herbert und Marianne Matysiak, Marlies Vögele, Inge Freifrau von dem Bussche und Silvia Baron trafen und im Rahmen einer Gründungssitzung den Förderkreis zur Integration für Schwerhörige und Ertaubte e.V. aus der Taufe hoben. Satzung und Geschäftsordnung wurden im Rahmen der Gründungssitzung einstimmig verabschiedet. In den Vorstand wurden zum 1. Vorsitzenden Frau Inge Freifrau von dem Bussche, zu ihrer Stellvertreterin Frau Marianne Matysiak, zur Kassiererin Frau Marlies Vögele und zum Schriftführer Herr Herbert Matysiak gewählt.

Der Verein wurde am 05.03.1987 eingetragen und erhielt vom Finanzamt die Anerkennung als gemeinnütziger Verein. Am Ende des Jahres 1987 war der Verein bereits auf 17 Mitglieder angewachsen.

Der FISCHE e.V. stellte unmittelbar nach Gründung den Antrag auf Mitgliedschaft beim Deutschen Schwerhörigenbund e.V. Im selben Jahr fand am 28.05. in Hamburg der Bundeskongress statt, der über die Aufnahme von Ortsvereinen beim Deutschen Schwerhörigenbund entscheidet. Die Bundesversammlung hat auf ihrem 22. ordentlichen Bundeskongress einstimmig für die Mitgliedschaft des FISCHE e.V., Ortsverein Waiblingen, gestimmt, nachdem sich vorher schon der Bundesvorstand dafür ausgesprochen hatte.

Damit war der FISCHE e.V., Ortsverein Waiblingen, berechtigt, auf seinem Briefbogen auch die Bezeichnung „Deutscher Schwerhörigenbund e.V.“ zu verwenden.

Nun ging es daran, die hochgesteckten Ziele in der täglichen Vereinsarbeit umzusetzen. Am 06. Mai 1987 konnte der nun junge Verein den ersten Intensiv-Mundablesekurs für Süddeutschland in Korb/Kleinheppach anbieten und durchführen. Silke Treue, die Vizepräsidentin des Deutschen Schwerhörigenbundes, war aus Frankfurt angereist, um in einem einwöchigen Kurs im ev. Gemeindehaus in Schwerstarbeit von morgens 9:00 Uhr bis nachmittags 16:00 Uhr das Ablesen der Sprache von den Lippen-, Mund- und Zungenbewegungen zu erlernen.

Im Jahre 1987 wurde die Zusammenarbeit mit den anderen Ortsvereinen in Baden-Württemberg gesucht und ausgebaut. Selbstverständlich sind die FISCHE auch im engen Kontakt mit dem Sozialamt der Stadt Waiblingen und arbeiten dort an Behindertenfragen mit.

So war es für die FISCHE eine Selbstverständlichkeit, auch den Behinderten-Nachmittag im Bürgerzentrum mitzugestalten. 1988, dies sei hier beispielhaft erwähnt, wurde durch eine eigens einstudierte Pantomimen-Vorführung zum Gelingen dieses Nachmittages beigetragen.

Im Frühjahr 1988 wurde in Welzheim die Selbsthilfegruppe „Morbus Meniere“ gegründet. Morbus Meniere ist eine Gehör- und Gleichgewichtssinn-Krankheit. Sie wurde 1861 von dem französischen Arzt Prosper Meniere erstmals beschrieben. Ursache und Behandlungsmöglichkeiten dieser Krankheit sind nach wie vor noch weitgehendst unbekannt. Diese Selbsthilfegruppe schloss sich den FISCHEN als Untergruppe an und ist die einzige in Deutschland tätige Selbsthilfegruppe für dieses Krankheitsbild.

Viele Vorträge über die Problematik der Schwerhörigkeit folgten in den nächsten Wochen und Monaten. Jedoch eine der weiteren Höhepunkte war Freitag, der 16. Oktober 1992 um 19:00 Uhr im Bürgerzentrum in Waiblingen der Vortrag von Herrn Dr. Werner Richberg, Psychologe und Direktor des Klinikums der Goethe-Universität, Frankfurt/Main: „Was bedeutet Schwerhörigkeit?“ Die FISCHE hatten eingeladen. Ein voller Welfensaal hörte ihm zu. Das Presse-Echo war entsprechend!

Jedoch konnten neue Mitglieder nicht gewonnen werden.

Am 30.07.1989 standen die ersten Neuwahlen des jungen Vereins an. Gewählt wurden zur 1. Vorsitzenden Inge Freifrau von dem Bussche, zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Kurt Wilhelm, zur Kassiererin Frau Marlies Vögele, zum Schriftführer Frau Hannelore Lang, die jedoch am 18.02.1991 wegen ihrer Berufstätigkeit ihr Amt niederlegte. Marianne Matysiak übernahm kommissarisch dieses Amt.

Da die Amtszeit gemäß Satzung zwei Jahre beträgt, standen am 30. November 1991 wieder Vorstandswahlen an. Inge Freifrau von dem Bussche wurde zur 1. Vorsitzenden, Heiner Wickum zum Stellvertretenden, Marianne Matysiak zur Schriftführerin und Marlies Vögele erneut zur Kassenwartin bestellt. Danach wurden Ideen und Planungen für das kommende Jahr aufgestellt. Mit Hilfe von Fachvorträgen, Infoständen und Pressemitteilungen versuchten wir die Öffentlichkeit auf unser Problem aufmerksam zu machen.

Am 25.09.1993 wurde eine Mitgliederversammlung einberufen. Neuwahlen standen an. Nach eingehender Diskussion wurde Herbert Matysiak zum Vorsitzenden, Heiner Wickum zum Stellvertreter, Marlies Vögele zur Kassiererin und Marianne Matysiak zur Schriftführerin gewählt.

Die regelmäßigen Zusammenkünfte und Vereinstreffen wurden neu geordnet. Es wurde eine Jahresplanung erstellt, in der die Aktivitäten für das gesamte Jahr definiert sind. Es wurde die Pressearbeit aktiviert. Es wurde beschlossen, dass der Vorstand regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teilnimmt. Die Zusammenarbeit mit den Ortsvereinen des Landes Baden-Württemberg wurde aktiviert und nach neuen Wegen der Zusammenarbeit gesucht. Jährlich wurde ein Mundablese- und Gebärdenkurs als Intensivkurs installiert.

Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Akustikern und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten wurde gesucht und gefördert, so dass auch Fachvorträge innerhalb der Gruppenarbeit mit angeboten werden konnten.

In diesem Zusammenhang wäre der Tag der offenen Tür des Kreiskrankenhauses Waiblingen zu erwähnen. Zwei Tage Informationen zum Thema Ohr, Hörhilfen vom Hörrohr bis zum CI. Vor allem ist es gelungen, in Zusammenarbeit mit allen Akustikern des Kreises an unserem Infostand Hörtests und alle notwendigen Informationen rund ums Hören zu vermitteln.

Dies führte zu Mitgliederwachstum, so dass wir von 1993 bis 1997 von 17 auf heute 42 Mitgliedern angewachsen sind. 1995 nahm Heiner Wickum Kontakte zur Göppinger Zeitung auf, mit dem Ziel, eine Selbsthilfegruppe in Göppingen zu installieren. Heute gibt es eine Selbsthilfegruppe „FISCHE“ in Göppingen.

Im März 2001 wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, mit dem Ziel, einen neuen Vorstand zu bilden. Es wurde Herbert Matysiak zum Vorsitzender, Franz Ahorn zu seinem Stellvertreter und Marianne Matysiak zur Schriftführerin gewählt. Es wurde die Zusammenarbeit mit der kath. und ev. Schwerhörigenseelsorge gesucht. Diese kann heute als sehr gut bezeichnet werden.

Die „FISCHE“ kooperieren mit dem Behindertenbeirat und Behinderten-Treff der Stadt Weinstadt. Unser Programm ist recht bunt, von Geselligkeit über Gespräche, Wanderungen, Grillfeste, Info-Ständen, Vorträgen bis hin zu Gottesdiensten für Hörgeschädigte mit Hörenden in Kirchengemeinden.