| Führung bei der Firma Phonak in Fellbach |
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Am 02. Juni 2006 um 15:00 Uhr trafen wir FISCHE uns bei der Firma Phonak in Fellbach-Oeffingen.
Wir waren 28 Teilnehmer, so wurde uns schon bei der telefonischen Organisation versprochen, dass wir in drei Gruppen aufgeteilt werden würden, damit wir Schwerhörigen auch alles gut verstehen können. Nach der offiziellen Begrüßung durch den Chef des Hauses, Herrn Benedick, wurden uns dann auch gleich die drei Gruppenführer vorgestellt, die uns alles im Hause zeigen sollten. Drei Gruppen wurden gebildet, die erste war überwiegend Normalhörende, die zweite Schwerhörige, die mit Hilfe unserer Mikroport-Anlage verstehen konnten und die dritte Schwerhörige, die die Funkanlage, von der Firma Phonak entwickelt (EasyLink), testen wollten. Für alle war gutes Verstehen gewährleistet. Danke für so viel Entgegenkommen. Zuerst wurden wir in das Lager und den Versand geführt. Dort gab es viele Schränke mit sehr, sehr vielen kleineren und größeren Schubladen, in denen die verschiedenen Hörgeräte bzw. Zubehörteile übersichtlich gelagert waren. Jeden Tag werden bestellte Hörgeräte, die vorher in der Firma überprüft wurden, in der Versandabteilung verpackt und an die Hörgeräteakustiker bundesweit, teilweise auch ins Ausland, versandt. Leider weiß ich die genaue Mengenangabe der Geräte, die täglich rausgehen nicht mehr, aber ich war erstaunt über die große Anzahl. Danach wurden wir in einen nahezu schalldichten Raum geführt, in dem die Hörgeräte per Computer auf präziseste Genauigkeit eingestellt werden können. Es war etwas unheimlich in diesem Raum, nichts, wo man sich gerne den ganzen Tag aufhalten möchte. Die Wände waren rundum mit dicken schallschluckenden Schaumstoffkissen in Dreieckformat isoliert. Es gab kein Fenster, der Boden war frei schwingend, so dass auch Schwingungen von außen, ausgelöst z. B. durch einen vorbeifahrenden LKW, ausgeglichen werden können. Dann gingen wir in die Herstellungsräume und das Labor. Hier bekamen wir als erstes gezeigt und erklärt, aus welchen Bestandteilen ein IM-Ohr-Gerät besteht und in wie vielen Arbeitsgängen es zu einem gut funktionierenden Hörgerät wird. Jedes IM-Ohr-System ist ein Unikat, denn jedes wird einzeln und individuell für den Träger hergestellt. Die äußere Schale wird nach dem Ohrabdruck, den der Akustiker beim Kunden gemacht hat, aus einem hochwertigen Kunststoff gegossen. Das flüssige Material wird unter UV-Licht ausgehärtet, so dass eine stabile Hülle entsteht. Die mikroelektronischen Teile wie Lautsprecher, Mikrofon, Elektro-Chip werden unter dem Mikroskop eingesetzt. Anschließend erhält die Oberfläche des Systems einen Feinschliff und wird hautverträglich versiegelt. Bevor das Gerät das Labor verlässt, wird es noch einer computergestützten Endkontrolle unterzogen, bei der Form und Qualität überprüft werden. Das neue Gerät wird an den Akustiker versandt und dort an den Kunden weitergegeben. Die Preise machen die Hörgerätegeschäfte. Leider sind IM-Ohr-Geräte nicht für alle Hörschäden ausreichend, nur bis etwa mittelgradige Schwerhörigkeit. Bei hochgradiger Schwerhörigkeit leisten die HDO (hinter-dem-Ohr) –Geräte, die heute auch schon relativ klein sind, bessere Dienste. Aber jeder Hörgeschädigte hat andere Anforderungen und Bedürfnisse an ein Hörsystem. Entscheidend ist, dass ein Hörgerät für unterschiedliche Lebenssituationen tauglich ist und auf die Bedürfnisse individuell eingestellt werden kann. Die modernen volldigitalen Hörsysteme können über einen sehr leistungsfähigen Computerchip auf individuelle Lebenssituationen eingestellt werden. Sie sind auch in der Lage, sich automatisch auf gegebene Hörsituationen selbst zu programmieren, also Hightech auf allen Ebenen. Mit Hilfe einer Fernbedienung kann der Benutzer in verschiedene Programme wechseln, je nach Hörsituation, z. B. Musik, lärmvolle Umgebung, Telefon, Besprechung…. Bei der Versorgung mit HDO-Geräten wird ein Ohrpassstück extra angefertigt, nach Abdruck beim Akustiker. Wir konnten zuschauen, wie diese im Labor weiter bearbeitet wurden, d. h. das gegossene Passstück wird unter dem Mikroskop ganz glatt geschliffen und bekommt eine Versiegelung. Bei diesen Arbeiten sind eine ruhige Hand und viel Fingerspitzengefühl erforderlich. Hier arbeiten Leute aus dem Zahnlabor oder auch Goldschmiede. Das fertige Passstück wird an den Akustiker zurück geschickt, der es dann endanpasst und mit einem dünnen Verbindungsschlauch zum HDO-Gerät versieht. Danach konnten wir noch bei einer Hörgerätereparatur zusehen, die natürlich auch unterm Mikroskop durchgeführt wird. Die meisten Zubehör- und Ersatzteile werden aus der Schweiz geliefert, wo sich das Hauptwerk der Firma Phonak befindet. Die Mitarbeiter in Fallbach waren offen für viele Fragen. Alle haben langsam und deutlich gesprochen und sich sehr bemüht. Die meisten sind von Beruf Hörgeräteakustiker, d. h. sie kennen die Problematik und haben Erfahrung im Umgang mit Hörgeschädigten. Es war einfach super! Nun wurden wir noch in die Info-Zentrale geführt, wo mehrere Telefone ständig während der Geschäftszeiten besetzt sind, so dass alle Akustiker bundesweit jederzeit schnell Informationen und Hilfe bekommen können. Gegen 17:00 Uhr wurde uns ein toller Imbiss mit Getränken serviert. Wir alle waren ganz überrascht. Mit soviel Engagement hat niemand von uns gerechnet. Zum Abschluss wurden uns dann noch die neuesten Entwicklungen des Phonak-Hörgerätemarktes und Zubehör vorgestellt, auch teilweise Luxus, den kaum ein Geldbeutel verkraften kann. Ein ganz herzliches DANKE an die Firma Phonak für diesen interessanten, informativen, rundum gelungenen Nachmittag! Marianne Marysiak |